# Die Legende von Paul und Paula: Auf den Spuren des DEFA-Kultfilms in Friedrichshain
Wer durch Friedrichshain spaziert, bewegt sich unwissentlich durch eine lebendige Filmkulisse. Vor mehr als fünfzig Jahren drehte Regisseur Heiner Carow hier einen der bekanntesten Filme der DDR-Filmgeschichte – „Die Legende von Paul und Paula“. Wer die Drehorte kennt, sieht den Kiez mit anderen Augen.
Ein Film, der Geschichte schrieb
Am 29. März 1973 hatte „Die Legende von Paul und Paula“ seine Uraufführung im Kino Kosmos – einem Premierenort, der selbst zur Legende gehört und bis heute an der Karl-Marx-Allee steht. Regie führte Heiner Carow, die Hauptrollen spielten Angelica Domröse als Paula und Winfried Glatzeder als Paul. Der Film wurde von der DEFA produziert, der staatlichen Filmgesellschaft der DDR, und erzählt von einer großen, kompromisslosen Liebe zwischen zwei sehr unterschiedlichen Menschen im Ostberlin der frühen siebziger Jahre.
Was den Film bis heute im kollektiven Gedächtnis hält, ist nicht allein die Geschichte selbst. Es ist die Mischung aus Melancholie, Lebenslust und einer gewissen Unbekümmertheit gegenüber gesellschaftlichen Konventionen, die ihm eine Strahlkraft verlieh, die weit über die DDR hinausging. Und es ist die Musik der Puhdys, die dem Film seinen unverwechselbaren Klang gaben. Die Rockband steuerte den Soundtrack bei und verknüpfte sich damit dauerhaft mit diesem Stoff.
Gedreht wurde überwiegend in Friedrichshain – einem damals von Kriegswunden und Plattenbau geprägten Stadtbezirk. Genau diese Kulisse, die ungeschönte Alltäglichkeit der Straßen und Hinterhöfe, verleiht dem Film seine Glaubwürdigkeit. Wer heute durch den Kiez geht, kann mehrere gesicherte Drehorte aufsuchen und sich ein Bild davon machen, wie der Film und der Ort sich gegenseitig geformt haben.
Die Auferstehungskirche: Hochzeit in der Friedenstraße 83
Einer der markantesten Drehorte ist die Auferstehungskirche in der Friedenstraße 83. Hier wurde die Hochzeitsszene des Films gedreht – ein zentraler Moment, der die Zerrissenheit der Hauptfigur Paul zeigt. Die Kirche steht bis heute, und wer vor ihr steht, kann sich gut vorstellen, wie die Filmcrew hier Jahrzehnte zuvor ihre Kameras aufgebaut hat. Die Auferstehungskirche ist nicht nur als Drehort interessant, sie ist auch für sich genommen ein Besuch wert – ein stiller Ort inmitten eines lebhaften Stadtteils.
Singerstraße 51: Pauls Wohnhaus
Die Singerstraße 51 diente als Wohnhaus der Figur Paul. Das Gebäude steht exemplarisch für den Wohnungsbau und die Stadtstruktur, die den Film visuell prägen. Wer die Singerstraße entlangläuft, bekommt einen Eindruck davon, wie der Alltag der Filmfiguren räumlich eingebettet war – enge Höfe, schlichte Fassaden, Straßen, die damals wie heute ihren eigenen Rhythmus haben.
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Platz der Vereinten Nationen: Paulas Kaufhalle
Der Platz der Vereinten Nationen taucht im Film – Die Legende von Paul und Paula – als Standort von Paulas Kaufhalle auf. Der Platz selbst ist mit seiner Anlage ein typisches Beispiel städtebaulicher Planung aus der DDR-Zeit. Heute ist er ein belebter Knotenpunkt im Bezirk, und die Verbindung zum Film ist für viele Passanten kaum noch sichtbar – umso reizvoller ist es, sie zu kennen.
Volkspark Friedrichshain: Konzert auf dem Bunkerberg
Im Volkspark Friedrichshain wurde eine der eindrücklichsten Szenen des Films gedreht: das Konzert auf dem Bunkerberg. Der Bunkerberg ist eine künstliche Erhebung im Park, entstanden aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs. Dass Heiner Carow genau diesen Ort für ein Konzert der Puhdys wählte, passt zur Bildsprache des Films – Leben und Musik auf den Überresten von Zerstörung. Der Volkspark Friedrichshain ist ohnehin eines der grünen Herzstücke des Bezirks und lohnt einen ausgedehnten Spaziergang.
Landsberger Allee: Eine Brücke als Filmkulisse
Die Straßenbrücke der Landsberger Allee über die S-Bahn-Gleise taucht ebenfalls als Drehort in Die Legende von Paul und Paula auf. Solche Orte – Brücken, Überführungen, Bahnanlagen – sind typisch für die visuelle Sprache des Films, der die Infrastruktur des Alltags nicht versteckt, sondern als Teil seiner Erzählung begreift. Die Brücke ist heute ein unscheinbarer Verkehrsort, der seinen Platz in der Filmgeschichte kaum preisgibt.
Rummelsburger Bucht: Das Paul-und-Paula-Ufer
Vielleicht der poetischste Drehort ist die Rummelsburger Bucht. Hier entstand die Traumsequenz auf dem Kahn – eine der visuell stärksten Sequenzen des Films. Die Bucht und ihr Ufer haben durch den Film einen bleibenden Namen erhalten: Der Uferweg trägt heute die Bezeichnung Paul-und-Paula-Ufer. Diese Benennung ist eine seltene Form der Erinnerungskultur – ein Filmtitel wird Teil der Stadtgeografie, fest verankert im Straßennetz Berlins. Wer das Paul-und-Paula-Ufer entlangläuft, spaziert buchstäblich durch ein Stück DEFA-Geschichte.
Was gibt es zu sehen und zu erleben
Eine Erkundung der Drehorte lässt sich gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad kombinieren. Die Orte liegen nicht alle in unmittelbarer Nähe zueinander, aber sie sind alle gut erreichbar und lassen sich zu einem halbtägigen Rundgang zusammenfügen. Besonders empfehlenswert ist es, den Film vorher oder nachher zu sehen – oder ihn im Kopf zu haben, während man durch die Straßen geht. Die Verbindung zwischen den realen Orten und ihrer filmischen Entsprechung ist dann besonders greifbar.
Wer sich intensiver mit der Geschichte beschäftigen möchte, kann auch das Kino Kosmos besuchen, wo der Film 1973 uraufgeführt wurde. Das Kino an der Karl-Marx-Allee ist bis heute in Betrieb und gehört zu den architektonisch bedeutenden Lichtspieltheatern Berlins.
Praktische Hinweise
Drehorte:
– Singerstraße 51 (Wohnhaus Paul)
– Auferstehungskirche, Friedenstraße 83 (Pauls Hochzeit)
– Platz der Vereinten Nationen (Paulas Kaufhalle)
– Volkspark Friedrichshain, Bunkerberg (Konzertszene)
– Landsberger Allee, Brücke über S-Bahn-Gleise
– Rummelsburger Bucht / Paul-und-Paula-Ufer (Traumsequenz)
Anfahrt: Mit der S-Bahn bis Ostbahnhof oder Frankfurter Allee, mit der U-Bahn bis Weberwiese (U5) oder Frankfurter Tor (U5), Straßenbahn M10 Richtung Warschauer Straße.
In der Nähe übernachten:
– Global Living TheGraf – East Side Gallery
– a&o Berlin Friedrichshain
– nhow Hotel Berlin
Auch interessant
- Kino Kosmos – Hier fand am 29. März 1973 die Uraufführung des Films statt; das Kino ist bis heute in Betrieb und Teil der Geschichte des Films.
- Paul-und-Paula-Ufer – Der Uferweg an der Rummelsburger Bucht trägt seinen Namen direkt aus dem Film – ein ungewöhnliches Stück Stadtgeschichte.
- Volkspark Friedrichshain – Der Park mit seinem Bunkerberg ist nicht nur Drehort, sondern eines der grünen Zentren des Bezirks.
- Auferstehungskirche – Der Kirchenbau in der Friedenstraße diente als Kulisse für die Hochzeitsszene und ist für sich ein bemerkenswerter Ort.
