Oberbaumbrücke: Wo Friedrichshain und Kreuzberg sich die Hand reichen
Die Oberbaumbrücke gehört zu den bekanntesten Bauwerken Berlins und ist weit mehr als eine bloße Querung über die Spree. Das neugotische Backsteinbauwerk verbindet seit über 125 Jahren die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg – und trägt dabei Geschichte, Architektur und Stadtidentität in einem.
Ein Bauwerk zwischen zwei Welten
Zwischen 1894 und 1896 wurde die Oberbaumbrücke im Stil der Neugotik errichtet. Mit ihren roten Backsteintürmen, den Zinnen und den charakteristischen Spitzbögen erinnert sie eher an eine mittelalterliche Stadtburg als an eine Berliner Infrastrukturmaßnahme des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dabei ist das Bauwerk durchaus funktional gedacht: Es trägt nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch die U-Bahnlinie U1/U3, die in einem eigenen Trakt über die Brücke geführt wird. Wer von der U-Bahn aus über die Spree fährt, erlebt den Moment, in dem der Zug das Wasser überquert, als einen der ungewöhnlicheren Abschnitte des Berliner Nahverkehrsnetzes.
Die Brücke verbindet heute zwei Stadtteile, die trotz ihrer unmittelbaren Nachbarschaft lange Zeit durch mehr als nur Wasser getrennt waren. Während der deutschen Teilung bildete die Spree an dieser Stelle die Grenze zwischen West-Berlin auf der Kreuzberger Seite und Ost-Berlin auf der Friedrichshainer Seite. Die Oberbaumbrücke war in dieser Zeit ein Grenzübergang – ein Ort, der für viele Berliner und Berlinerinnen mit tiefgreifenden persönlichen Erfahrungen verbunden ist. Nach der Wiedervereinigung wurde die Brücke saniert und konnte ihre Funktion als verbindender Übergang zwischen den beiden Stadtteilen wieder aufnehmen.
Der Name und seine Geschichte
Der Name der Brücke geht auf eine deutlich ältere Anlage zurück, die mit dem heutigen Bauwerk nur den Standort gemeinsam hat. An dieser Stelle der Spree befand sich einst der sogenannte Oberbaum der Akzisemauer – einen schwimmenden mit Eisennägeln besetzten Balken (Baum), der quer über den Fluss gespannt wurde und als Zollschranke diente. Schiffe, die nach Berlin gelangten, mussten hier anhalten, um Zoll zu entrichten. Der Baumschließer gestattete die Durchfahrt, und schloß nach dem Passieren die Anlage wieder. Dieses System war Teil der Akzisemauer, einer Zoll- und Kontrollanlage, die Berlin im 18. Jahrhundert umgab. Vom Schwimmbalken selbst ist heute nichts mehr zu sehen, aber der Name Oberbaumbrücke erinnert bis heute daran.
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Filmkulisse mit Wiedererkennungswert
Wer den Film „Lola rennt“ von Tom Tykwer kennt, hat die Oberbaumbrücke bereits auf der Leinwand gesehen. Der 1998 erschienene Film nutzte die markante Brücke als Kulisse und trug damit auch international zur Bekanntheit des Bauwerks bei. Die Optik der Brücke – die roten Türme, die Bögen, die Spree darunter – macht sie zu einem dankbaren Motiv für Filmschaffende und Fotografinnen gleichermaßen.

Welche Filme wurden auf der Oberbaumbrücke gedreht?
Die Oberbaumbrücke ist eine der meistgefilmten Brücken Berlins. Mit ihren roten Backsteintürmen, dem gelben Zug der U1/U3 und der Lage direkt über der Spree gehört sie zum Standard-Repertoire vieler Berlin-Filme und TV-Serien. Vier Produktionen haben sie besonders bekannt gemacht:
- Lola rennt (1998, Regie: Tom Tykwer) — Die berühmteste Szene zeigt Lola (Franka Potente) wie sie über die Brücke Richtung Warschauer Straße läuft. Manchmal sieht man Touristen, die die Szene mit roten Perücken nachstellen.
- Die Bourne-Reihe (ab 2004, Regie: Paul Greengrass) — Berlin ist ein roter Faden durch die gesamte Bourne-Reihe. Regisseur Greengrass nannte Berlin wiederholt als einen der wichtigsten Schauplätze — die Oberbaumbrücke ist im Filmmaterial der Reihe zu sehen.
- Unknown – Ohne Erinnerung (2011, Regie: Jaume Collet-Serra) — Der Actionthriller mit Liam Neeson und Diane Kruger nutzte die Oberbaumbrücke als markante Berliner Kulisse.
- SMS für dich (2016, Regie: Karoline Herfurth) — Die romantische Komödie mit Karoline Herfurth und Friedrich Mücke wurde überwiegend in Berlin gedreht — die Oberbaumbrücke ist im Film zu sehen.
Was gibt es zu sehen und zu erleben
Die Oberbaumbrücke lässt sich zu Fuß begehen, und genau das solltest du tun. Der Weg über die Brücke bietet wechselnde Perspektiven auf die Spree, auf die angrenzenden Stadtteile und auf das Bauwerk selbst. Die beiden markanten Türme sind von nahem besonders eindrucksvoll – die Detailarbeit im Backsteinmauerwerk und die neugotischen Verzierungen sind bei genauerem Hinsehen gut zu erkennen.

Vom Brückengeländer aus hast du freien Blick in beide Richtungen entlang der Spree. Auf der einen Seite liegt die East Side Gallery, das erhaltene Stück der Berliner Mauer, auf der anderen Seite öffnet sich der Blick auf den Fluss in Richtung Innenstadt. Auch der Molecule Man, die bekannte Skulptur im Spreebett, ist von der Brücke aus in der Ferne zu sehen.
Die Brücke selbst ist kostenfrei zugänglich und rund um die Uhr begehbar. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch in den frühen Morgenstunden, wenn der Straßenverkehr noch gering ist und das Licht auf dem Wasser und den roten Backsteinen besonders ruhig wirkt – oder am Abend, wenn die Brücke beleuchtet wird.
Praktische Hinweise
Adresse: Oberbaumstraße 1, 10243 Berlin
Eintritt: kostenlos
Anfahrt: Mit der U-Bahn U1 oder U3 bis Haltestelle Schlesisches Tor oder Warschauer Straße. Die Brücke selbst wird von der U-Bahn überquert – du fährst also direkt darüber. Alternativ mit der S-Bahn S3, S5, S7 oder S9 bis Warschauer Straße, von dort sind es wenige Gehminuten.
Hotels in der Nähe:
– Eastern Comfort Hostel Boat – ein schwimmendes Hostel direkt an der Spree, in unmittelbarer Nähe zur Brücke
– Homaris East Side – Ferienwohnungen in der Nähe der East Side Gallery
– Numa Berlin Kater – modernes Stadthotel im Kiez
Auch interessant
- East Side Gallery – Das erhaltene Mauerstück liegt direkt an der Spree, nur wenige Gehminuten von der Oberbaumbrücke entfernt, und erzählt ebenfalls von der Geschichte der deutschen Teilung.
- Molecule Men – Die Skulptur von Jonathan Borofsky steht im Spreebett zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Treptow und ist von der Oberbaumbrücke aus sichtbar.
- Spreetunnel Stralau – Wer die Geschichte der Berliner Infrastruktur interessant findet, kann auch dem weniger bekannten Spreetunnel in Stralau einen Besuch abstatten.
