# Der Kegel auf dem RAW-Gelände: Wo Geschichte auf Klettersport trifft
Mitten auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain steht ein Bauwerk, das auf den ersten Blick rätselhaft wirkt: ein kegelförmiger Betonturm, der aus dem Gelände herausragt wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit. Tatsächlich stammt er aus dem Zweiten Weltkrieg und hat eine bemerkenswerte Wandlung hinter sich – vom Luftschutzbunker zur Kletterhalle.
Ein Bunker nach System: Der Winkelturm
Der Kegel auf dem RAW-Gelände ist kein gewöhnlicher Bunker. Er gehört zur Bauform des sogenannten Winkelturms, benannt nach seinem Erfinder Leo Winkel. Winkel entwickelte diesen Turmbunker-Typ in den 1930er Jahren mit dem Ziel, möglichst viele Menschen auf kleinem Grundriss vor Luftangriffen zu schützen. Das Prinzip: Die kegelförmige Form des Turms sollte dafür sorgen, dass Bomben abgleiten oder an der Außenwand entlangglitten, anstatt direkt einzuschlagen. Die schrägen Wände und die kompakte Bauweise machten den Winkelturm zu einer weit verbreiteten Schutzanlage im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs.
Zahlreiche solcher Türme wurden in deutschen Städten gebaut, vor allem auf Betriebsgeländen und in der Nähe von Fabriken und Bahnhöfen – Orte, die im Krieg besonders häufig Ziel von Luftangriffen waren. Das RAW-Gelände, damals ein bedeutendes Reichsbahnausbesserungswerk, war genau so ein Ort. Die Arbeiter, die dort täglich Fahrzeuge der Deutschen Reichsbahn reparierten und warteten, sollten im Ernstfall schnell Schutz finden können. Der Winkelturm erfüllte diese Funktion.
Denkmalgeschützt: Ein Zeugnis der Kriegsarchitektur
Heute steht der Kegel unter Denkmalschutz. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Viele Winkelturm-Bunker wurden nach dem Krieg abgerissen oder so stark verändert, dass ihre ursprüngliche Form kaum noch erkennbar ist. Der Kegel auf dem RAW-Gelände hingegen hat seine markante Gestalt behalten und ist damit eines der selten gewordenen erhaltenen Beispiele dieser Bauform in Berlin.
Der Denkmalschutz hat nicht nur konservierenden Charakter. Er macht den Turm zu einem greifbaren Stück Stadtgeschichte, das mitten im lebendigen Treiben des RAW-Geländes steht. Wer heute über das Gelände schlendert, vorbei an Clubs, Werkstätten, dem Skatepark und den vielen kleinen Betrieben, stößt auf diesen Betonkegel wie auf einen stillen Zeugen dessen, was hier vor mehr als acht Jahrzehnten vor sich ging.
Vom Bunker zur Kletterhalle
Die vielleicht überraschendste Wendung in der Geschichte des Kegels: Er wird heute als Kletterhalle genutzt. Die ungewöhnliche Form des Winkelturms, seine steilen Außenwände und die robuste Betonstruktur machen ihn zu einem ebenso ungewöhnlichen wie reizvollen Kletterort. Wer hier klettert, bewegt sich an einem Bauwerk, das ursprünglich zum Schutz von Menschenleben errichtet wurde – heute dient es dem Sport und der Freizeitgestaltung.
Die Nutzung als Kletterhalle ist dabei nicht nur eine praktische Umwidmung, sondern auch ein Beispiel dafür, wie das RAW-Gelände insgesamt funktioniert: als Ort, der industrielle Vergangenheit und gegenwärtiges Leben miteinander verbindet, ohne das eine zugunsten des anderen aufzugeben. Der Kegel bleibt erkennbar das, was er war, und wird gleichzeitig aktiv genutzt.
Da der Kletterbereich kostenpflichtig ist, empfiehlt es sich, sich vorab über aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise zu informieren.
Berlin Friedrichshain?
Wenn Du noch nie in Berlin warst, dann helfen Dir Plattformen wie bspw. GETYOURGUIDE dabei einen ersten Überblick der Top Sehenswürdigkeiten der Stadt zu bekommen. Aber schau selbst, ob Dein Wunschziel dabei ist.
ANZEIGE. Ohne geht es leider nicht.
Das RAW-Gelände als Kontext
Der Kegel lässt sich nicht losgelöst von seiner Umgebung betrachten. Das RAW-Gelände – kurz für Reichsbahnausbesserungswerk – ist selbst eine der bemerkenswertesten Industriebrachen Berlins. Das weitläufige Areal in der Revaler Straße wurde nach der Wende zunächst sich selbst überlassen und entwickelte sich dann schrittweise zu einem Ort der alternativen Kultur, der Clubs und der Kreativwirtschaft. Heute ist es ein lebendiges Stück Friedrichshain, das Besucher aus ganz Berlin und von weiter her anzieht.
Inmitten dieses Treibens steht der Kegel als architektonisches und historisches Ausrufezeichen. Er erinnert daran, dass das Gelände eine lange Geschichte hat, die weit vor der Nachwendezeit beginnt – eine Geschichte, die Arbeit, Krieg, Teilung und Wandel umfasst. Wer den Kegel besucht, bekommt damit unweigerlich auch einen Eindruck von diesem größeren Zusammenhang.
Praktische Hinweise
Adresse: Revaler Straße 99 (RAW-Gelände), 10245 Berlin
Eintritt: kostenpflichtig (für den Kletterbereich)
Anfahrt: Der Kegel befindet sich auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain, das gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Der S-Bahnhof Warschauer Straße liegt in unmittelbarer Nähe, ebenso die gleichnamige U-Bahn-Station der Linie U1.
In der Nähe übernachten:
– Hotel Klassik Berlin
– Goldmarie
– Michelberger Hotel
Auch interessant
- RAW-Gelände – Das gesamte Reichsbahnausbesserungswerk ist der unmittelbare Kontext für den Kegel und lohnt eine ausgedehnte Erkundung: Clubs, Skatepark, Kulturorte und weitere Relikte der Industriegeschichte Friedrichshains finden sich auf dem weitläufigen Areal.
