# Das Freudenberg-Areal und der Hirschmann-Park: Geschichte zwischen Gründerzeit und Vertreibung
Mitten in Friedrichshain, an der Boxhagener Straße, steht ein Ort, der auf den ersten Blick wie ein modernes Wohnquartier wirkt – und doch tief in der Geschichte des Kiezes verwurzelt ist. Das Freudenberg-Areal, heute auch als Box Seven bekannt, erzählt von unternehmerischem Aufbruch in der Kaiserzeit, von jüdischem Leben im Berliner Osten und von der brutalen Zerstörung, die der Nationalsozialismus über eine Familie brachte.
Von der Gründerzeit zum Industrieareal
Die Geschichte des Geländes beginnt im Jahr 1895. Damals gründete Siegfried Hirschmann an der Boxhagener Straße sein Unternehmen – ein Zeichen dafür, wie sich Friedrichshain um die Jahrhundertwende zu einem Zentrum kleinerer und mittlerer Industriebetriebe entwickelte. Die Gründerzeit hinterließ im ganzen Kiez ihre Spuren: Fabrikgebäude, Hinterhöfe, dichte Wohnbebauung. Das Hirschmann-Gelände war Teil dieser Entwicklung und prägte den Block zwischen Boxhagener Straße 79 und 82 über Jahrzehnte.

Was genau auf dem Gelände hergestellt oder gehandelt wurde, ist nicht überliefert. Was jedoch feststeht: Das Unternehmen existierte bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein – und wurde dann Opfer der systematischen Enteignungspolitik des NS-Regimes.
Enteignung und Flucht – das Schicksal der Familie Hirschmann
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann in Deutschland die schrittweise, dann immer brutalere Verfolgung jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Auch die Familie Hirschmann war davon betroffen. Ihr Betrieb wurde enteignet – ein Schicksal, das Tausende jüdische Unternehmerinnen und Unternehmer in Berlin teilten. Die sogenannte „Arisierung“ war ein systematischer Raub, der unter dem Deckmantel angeblicher Legalität durchgeführt wurde.
Die Familie Hirschmann floh nach Guatemala. Das ist eine der wenigen Informationen, die über ihr weiteres Schicksal überliefert sind – und sie macht deutlich, wie weit die Nationalsozialisten Menschen aus ihrer Heimat trieben. Guatemala, Tausende Kilometer entfernt, wurde zur neuen Heimat einer Familie, die in Friedrichshain verwurzelt war, die hier gearbeitet, gelebt und aufgebaut hatte.
Dieser Teil der Geschichte des Areals ist das Gewichtigste, was der Ort zu erzählen hat. Es ist eine Geschichte, die sich in Friedrichshain und in ganz Berlin dutzendfach wiederholt: Ein Betrieb, ein Name, eine Familie – und dann Schweigen, Vertreibung, Verlust.
Der Hirschmann-Park: Erinnerung im Alltag
Heute erinnert ein öffentlicher Park auf dem Gelände an die Familie, die hier einst alles verlor: der Hirschmann-Park. Die Benennung ist eine Form des Gedenkens, wie sie in Berlin in verschiedenen Stadtteilen zu finden ist – Straßen, Plätze und Grünflächen tragen Namen von Menschen, die durch den Nationalsozialismus aus ihrer Heimat vertrieben oder ermordet wurden. Im Fall des Hirschmann-Parks geschieht das mitten in einem modernen Wohnquartier, das den historischen Bestand zumindest in Teilen aufgreift.
Der Park ist öffentlich zugänglich. Du kannst ihn kostenlos besuchen und dich in einer der wenigen Grünflächen des dichten Friedrichshainer Kiezes aufhalten. Das Gelände rund um die Boxhagener Straße ist dicht bebaut, umso mehr fällt eine solche Fläche als Atemraum auf.
Das Freudenberg-Areal und Box Seven heute
Das Gelände trägt heute zwei Namen, die auf verschiedene Phasen seiner neueren Geschichte hinweisen. „Freudenberg-Areal“ bezieht sich auf die industriekulturelle Vergangenheit des Ortes, „Box Seven“ auf die Entwicklung zu einem Wohn- und Gewerbequartier, das sich in die jüngere Entwicklung des Boxhagener-Straße-Kiezes einfügt. Dieser Bereich von Friedrichshain hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Alte Fabrikgebäude wurden umgenutzt, neue Bebauung entstand, der Kiez rund um den Boxhagener Platz zog jüngere Bevölkerungsschichten an.
Gründerzeitliche Industriekultur ist in Friedrichshain an vielen Ecken noch zu spüren – das Freudenberg-Areal ist einer der Orte, an denen man dieser Geschichte noch heute begegnen kann, auch wenn viel von der ursprünglichen Bausubstanz überformt wurde.
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Was du dort siehst und erlebst
Ein Besuch am Freudenberg-Areal verbindet zwei Erfahrungen: Du erkundest einen Teil der gründerzeitlichen Industriekultur Friedrichshains, der durch seine bewegte Geschichte besondere Bedeutung trägt. Und du kommst mit der Geschichte der jüdischen Enteignungen in der NS-Zeit in Berührung – nicht in einem Museum, sondern direkt im Stadtraum, mitten im Alltag des Kiezes.
Der Hirschmann-Park lädt zum Verweilen ein und ist frei zugänglich. Wer sich die Zeit nimmt, den Ort bewusst wahrzunehmen, begegnet einer Geschichte, die nicht laut nach Aufmerksamkeit schreit, aber umso mehr zu denken gibt: ein Park, benannt nach einer Familie, die fliehen musste. Dieser Ort erinnert daran, dass Geschichte nicht in weit entfernten Gedenkstätten beginnt, sondern im eigenen Kiez – direkt vor der Haustür.
Praktische Hinweise
Adresse: Boxhagener Straße 79–82, 10245 Berlin
Eintritt: kostenlos
Anfahrt: Mit der U5 bis Samariterstraße oder Frankfurter Tor, von dort wenige Gehminuten über die Boxhagener Straße. Alternativ mit der Tram M13.
Übernachten in der Nähe:
Wenn du länger in Friedrichshain bleibst, findest du gute Unterkünfte in der Nähe:
– STAYERY – modernes Apartmenthotel im Kiez
– Numa Berlin Boxer – zentral in Friedrichshain gelegen
– a&o Berlin Friedrichshain – günstige Option für Budgetreisende
Auch interessant
- Helenenhof – Ebenfalls ein historisches Ensemble in Friedrichshain, das von der Bau- und Sozialgeschichte des Kiezes erzählt und gut zu einem Spaziergang durch die Gründerzeitarchitektur der Gegend passt.
- Krüger Eck – Ein weiterer markanter Ort im Friedrichshainer Kiez, der im Zusammenhang mit der Geschichte der Boxhagener-Straße-Gegend steht und sich für einen gemeinsamen Rundgang anbietet.
