Bersarinplatz mit dahinterstehenden Plattenbauten

Bersarinplatz: Geschichte, Plattenbau und Gedenken in Friedrichshain

# Bersarinplatz: Wo Friedrichshainer Geschichte auf Plattenbau trifft

Der Bersarinplatz ist einer der markantesten Plätze im Herzen von Friedrichshain – geprägt von wechselvoller Geschichte, DDR-Architektur und einer ungewöhnlichen Widmung an einen sowjetischen Offizier, der kaum zwei Monate im Amt war. Wer hier steht, steht auf einem Boden, der mehr erzählt, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Vom Baltenplatz zum Bersarinplatz

Bis 1947 trug der Platz einen ganz anderen Namen: Baltenplatz – benannt nach der Völkergruppe der Balten – war er seit 1895 bekannt. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn der sowjetischen Besatzung änderte sich das grundlegend. Am 31. Juli 1947 wurde der Platz offiziell in Bersarinplatz umbenannt – zu Ehren von Nikolai Bersarin, dem ersten sowjetischen Stadtkommandanten Berlins.

Bersarin, 1904 geboren, übernahm nach der Einnahme Berlins die Kontrolle über die zerstörte Stadt. Doch seine Amtszeit war von tragischer Kürze: Nach nur 50 Tagen im Amt kam er ums Leben. Es heißt, er habe eine erbeutete Zündapp KS 750 bestiegen – und die Bremsen versagten. Der Unfall kostete ihn das Leben. Dass ein Berliner Platz nach einem sowjetischen General benannt ist, blieb nach der Wende ein politisch umstrittenes Thema. Die Umbenennung wurde jedoch nie rückgängig gemacht.

Die Zerstörung der Gründerzeit

Was der Platz heute zeigt, lässt die Vorkriegsgeschichte kaum noch erahnen. Die Gründerzeitbebauung, die den Baltenplatz einst umgab, wurde im Februar 1945 zerstört – in den letzten Kriegsmonaten, als weite Teile Berlins unter Bombardierungen und Straßenkämpfen zu Trümmern wurden. Von der alten städtebaulichen Struktur blieb nach dem Krieg nichts übrig.

In den folgenden Jahrzehnten entstand rund um den Platz ein ganz neues Stadtbild – geprägt von der Architektur und Stadtplanung der DDR.

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Rathaus, Plattenbau und Bronzetafel

1964 wurde das Rathaus Friedrichshain am Platz errichtet – es ist bis heute Sitz der Bezirksverwaltung und eines der prägenden Gebäude des Platzes. Wer durch Friedrichshain läuft und Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen hat, landet hier früher oder später.

1975 wurde eine Bronzetafel von Fritz-Georg Schulz am Platz angebracht – ein Hinweis auf die Widmung des Platzes an Bersarin, der so auch materiell im Stadtbild verankert wurde.

Das wohl auffälligste Bauwerk entstand zwischen 1985 und 1987: ein großes Wohngebäude in DDR-Plattenbauweise, entworfen von den Magdeburger Architekten Feldmann, Müller, Timme und Ungewitter. Das Gebäude prägt die Silhouette des Platzes bis heute. Es ist ein typisches Beispiel für die spätsozialistische Wohnbaupolitik der DDR, die auf standardisierte Großstrukturen setzte – funktional, flächendeckend, charakteristisch.

Neugestaltung und Kiesgarten

Ende der 1990er Jahre wurden die Freiflächen rund um den Bersarinplatz neu gestaltet – ein Projekt, das dem Platz eine offenere, einladendere Atmosphäre geben sollte. 2006 folgte ein weiterer Eingriff: Der Landschaftsarchitekt Marc-Rajan Köppler gestaltete einen Kiesgarten, der dem Platzmittelpunkt eine ruhigere, strukturierte Note verleiht. Im selben Jahr wurde auch die Fassade des Plattenbaues saniert.

Der Kiesgarten ist heute ein beliebter Ort zum Verweilen – unaufgeregt, öffentlich, kostenlos zugänglich. Besonders in den wärmeren Monaten nutzen Anwohnerinnen und Anwohner die Freiflächen.

Stolpersteine: Gustav und Hermann Wegener

Wer aufmerksam über den Platz geht, wird auf Stolpersteine stoßen – kleine Messingplatten im Pflaster, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Am Bersarinplatz wurden Stolpersteine für Gustav und Hermann Wegener verlegt. Die Steine sind ein stilles, aber eindringliches Mahnmal, das in den Alltag des Platzes eingelassen ist und an die NS-Zeit erinnert.

Stolpersteine finden sich in ganz Berlin und vielen anderen Städten – sie wurden von dem Künstler Gunter Demnig initiiert und sind mittlerweile Teil des europäischen Gedenkens an die Opfer des Holocaust und anderer NS-Verbrechen.

Baustelle Petersburger Straße

Seit September 2024 läuft die Erneuerung der Petersburger Straße, die unmittelbar am Bersarinplatz beginnt. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich rund drei Jahre. Wer den Platz derzeit besucht, sollte entsprechende Einschränkungen einplanen – insbesondere was Erreichbarkeit und Straßenverkehr angeht.

Was gibt es zu sehen und zu erleben

Der Bersarinplatz bietet keine klassische Sehenswürdigkeit im musealen Sinne – aber er ist ein Ort, der sich für einen bewussten Stadtspaziergang eignet. Du kannst die Bronzetafel von 1975 betrachten, die an Nikolai Bersarin erinnert, den Kiesgarten erkunden und nach den Stolpersteinen für Gustav und Hermann Wegener Ausschau halten. Das Nebeneinander von DDR-Architektur, Bezirksverwaltung und Gedenkorten macht den Platz zu einem kompakten Querschnitt durch die Berliner Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts.

In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem der Rosengarten mit einer Mahntafel zum Arbeiteraufstand – ein weiterer Ort des Gedenkens, der thematisch gut zum Bersarinplatz passt und sich für einen gemeinsamen Besuch anbietet.

Praktische Hinweise

Adresse: Bersarinplatz, 10249 Berlin
Eintritt: kostenlos
Anfahrt: S-Bahn und U-Bahn Warschauer Straße, von dort zu Fuß oder mit der Straßenbahn in Richtung Petersburger Straße

Hotels in der Nähe:
Hotel NEWBERLIN
sly Berlin
Hotel Pension Eberty

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Rosengarten mit Mahntafel zum Arbeiteraufstand – Unweit des Bersarinplatzes gelegen, erinnert der Rosengarten an den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 – ein weiteres wichtiges Stück DDR-Geschichte mitten in Friedrichshain.


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